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Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung: Landschaftsinterpretation der Stadt Sitten

 

Der Ansatz der Landschaftsinterpretation

Wussten Sie, dass die Römer nicht die ersten waren, die Trauben im Wallis angebaut haben? Wussten Sie, dass im Walliser Wein, den Sie trinken, die Arbeit von unzähligen Generationen Walliser Weinbauern und -bäuerinnen steckt? Wussten Sie, dass ein Baum in einer von Hitzewellen geplagten Stadt wie Sitten, gleich viel Erfrischung bringt wie 5 Klimaanlagen?

Solche Fragen stehen im Zentrum einer Vermittlung des Kultur- und Naturerbes mit Hilfe des Ansatzes der Landschaftsinterpretation. Denn gute Landschaftsinterpretation regt zum Denken an, anstatt trockene Informationen zu einem Natur- oder Kulturerbe zu vermitteln, sie schafft eine Verbindung zwischen dem besuchten Ort und dem persönlichen Leben der Besucherinnen und Besucher und bringt die unzähligen Geschichten, die eine Landschaft zu erzählen hat, ans Licht. Durch das Anknüpfen am Alltag der Besucherinnen und Besucher fühlen sich diese angesprochen und die Landschaft gewinnt für sie persönlich an Bedeutung. Ziel der Landschaftsinterpretation ist es nämlich, Kopf und Herz der Interessierten anzusprechen, damit aus ihnen Betroffene werden, die die Landschaft verstehen, schätzen und schlussendlich schützen lernen. Guides, Schautafeln oder technologische Hilfsmittel vermitteln die Bedeutung von Landschaft mit Hilfe verschiedener Kommunikationstechniken, wie Perspektivenwechsel, Metaphern oder Kontrasten. Dabei nehmen die Interpreten oft Bezug auf universelle Prinzipien wie Freude, Liebe, Schutz, Gefahr oder Hunger, die die Menschheit seit jeher begleitet haben und nichts an Aktualität verloren haben.

Der Ansatz der Landschaftsinterpretation ist eng mit der Geschichte der amerikanischen Nationalparks verbunden und dem Journalisten Freeman Tilden, der 1957 sein bahnbrechendes Buch Interpreting Our Heritage für den US National Park Service verfasste. Mittlerweile sind mehrere Artikel und Bücher zum Thema erschienen, die dem Geheimnis einer guten Interpretation auf den Grund gehen. Gemäss Sam H. Ham machen vier Prinzipien den Unterschied aus: Erfolgreiche Interpretation orientiert sich an einem Leitsatz, ist strukturiert, relevant fürs Publikum sowie geistig anregend und unterhaltsam.

 

Landschaftsinterpretation der Stadt Sitten

Hauptziel des vorliegenden Projekts ist es, die Landschaft von Sitten durch entsprechende Angebote basierend auf den Prinzipien der Landschaftsinterpretation in Wert zu setzen und vermehrt ins Bewusstsein der Bevölkerung und der Touristen zu rücken. Dieses Hauptziel wird in drei Unterziele mit den folgenden Wirkungen unterteilt:

  • Angebotsentwicklung basierend auf den Prinzipien des Ansatzes der Landschaftsinterpretation mit der Wirkung, dass die verschiedenen Zielgruppen gegenüber den Werten der Landschaft sensibilisiert werden, diese besser verstehen und somit schätzen und schützen lernen.
  • Schaffen von Wertschöpfung. Auf sozialer Ebene werden über ein besseres Verständnis der Landschaft auch immaterielle Werte, wie eine gemeinsame Identität, gestärkt. Auf ökologischer Ebene geht es darum, die Schutzbereitschaft unter den Besucherinnen und Besuchern zu stärken. Auf wirtschaftlicher Ebene wird der Ganzjahrestourismus gefördert (verschiedene Angebote für verschiedene Zielgruppen übers ganze Jahr hinweg).
  • Schaffen von Netzwerken. Durch den spezifischen Ansatz (Design Thinking) in diesem Projekt werden verschiedene Stakeholder, die einen Einfluss auf die Landschaft ausüben, bei der Auswahl der Landschaften, den Inhalt und die Umsetzung der Angebotsentwicklung einbezogen. Dadurch werden Netzwerke geschaffen und mehr Verständnis für die Anliegen der jeweiligen Interessensgruppen entwickelt.