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Daniel Schmid, EDHEA

Daniel Schmid, Verantwortlicher für die Berufsausbildung an der EDHEA, der Schule für Gestaltung und der Hochschule für Kunst in Siders, im Gespräch.

Herr Schmid, welches sind Ihre Aufgaben an der EDHEA in Siders?
Unsere Schule ist zweitgeteilt: Berufsschule und Fachhochschule. Wir haben eine Ausbildung zum Grafiker auf Sek-Stufe II und die Hochschule für Kunst. Ich bin für die Berufsschule und somit auch für Grafiker zuständig. Diese vierjährige Ausbildung mit integrierter Berufsmaturität schliesst mit einem EFZ ab. Zusätzlich bieten wir eine einjährige Passerelle, ein Propädeutikum, für junge Menschen mit einer Matura an, die ein Hochschulstudium im Bereich Kunst anvisieren. 

Wie ist die Ausbildung zum Grafiker aufgebaut?
Die ersten sechs Semester sind die Lernenden hier an der Schule, im 7. Semester machen sie ein Praktikum und im 8. Semester realisieren sie ihre Abschlussarbeit, ihr «Meisterstück». Am Ende finden die Lehrabschlussprüfungen statt, welche schweizweit identisch sind. Im Unterschied zum dualen Weg sind wir Schule und Lehrbetrieb in einem, d.h., an anderthalb Tagen findet der Berufsschulunterricht statt, die restliche Zeit dient der praktischen Ausbildung. Dabei müssen wir die berufliche Wirklichkeit simulieren, was spannend und herausfordernd ist.

Was müssen die Auszubildenden mitbringen?
An unserer Schule wird Selbständigkeit grossgeschrieben. Also braucht es ein Mindestmass an Autonomie. Die Grafiker Ausbildung ist anspruchsvoll, deshalb ist Leistungsbereitschaft wichtig. Die Kandidaten und Kandidatinnen müssen ein Portfolio vorlegen. Aber natürlich laden wir alle zu einem Gespräch ein, in dem sie zeigen können, welches ihre Motivation für diesen Beruf ist. Die technischen Fertigkeiten lernen sie ja dann bei uns. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir von Jugendlichen um die 16 reden, die gerade dabei sind, ihren Weg zu finden. 

Was machen die Jugendlichen nach dem Abschluss?
Jedes Jahr schliessen rund 25 Lernende ab. Ein Drittel – tendenziell werden es mehr! – geht an eine Fachhochschule. Ich bin überzeugt, dass Grafik DIE ideale Vorbereitung für ein Designoder Kunst-Studium ist. Ein Drittel steigt ins Berufsleben ein und ein Drittel macht etwas ganz anderes. Finden auch OberwalliserInnen den Weg an die Schule? Pro Jahrgang im Schnitt drei. Unsere Ausbildung ist ja auf Französisch, d.h., der Berufsschulunterricht findet auf Französisch statt. Und das ist zu Beginn sicherlich eine Herausforderung für Deutschsprachige. Der praktische Teil mit den Projekten ist insofern einfacher, da viele Dozierende zweisprachig sind. Ich stelle immer wieder fest, dass junge OberwalliserInnen, die zu uns kommen, topmotiviert und somit auch erfolgreich sind.

Welche Herausforderungen kommen auf die Schule zu?
Berufsfelder verändern sich heute sehr schnell. Interdisziplinarität wird erwartet. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist sehr gut, aber manchmal etwas träge. Da warten wichtige Aufgaben auf die Berufsverbände. Spannend wird der Umgang mit der Künstlichen Intelligenz sein. 

Wie wollen wir damit arbeiten – sollen wir z.B. eine Schullizenz lösen, damit alle die gleichen Chancen haben?
Ich sehe im Unterricht die KI z.B. als zusätzlichen «Mitarbeiter», der Ideen liefern kann. Übrigens hat soeben eine Schülerin von uns mit einer Arbeit den Wettbewerb «Junge Grafik» gewonnen, die sie «zusammen » mit KI realisiert hat. Es wird sich in diesem Bereich noch viel tun!


Zur Person

Daniel Schmid aus Glis/Basel absolvierte die EDHEA Siders, studierte in Basel an der FHNW Interaktions- Design und bildete sich an der HKB in Bern in Signaletik weiter. Er unterrichtet seit rund 20 Jahren an der Schule in Siders und leitet seit sieben Jahren die berufliche Ausbildung an der Schule. Daneben ist er mit eigenen Projekten unterwegs.