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In seinem Blick liegt Entschlossenheit. Er strahlt den Stolz und die Unerschrockenheit gewisser grosser Revolutionäre aus. Quentin Chevalley studiert im 2. Jahr Energie und Umwelttechnik an der Hochschule für Ingenieurwissenschaften. Wie der Kolibri in der berühmten Geschichte hat er beschlossen, zu tun was er kann. Und noch viel mehr. 



Für den 23-jährigen Quentin Chevalley aus Salvan begann alles bei den Dreharbeiten zum Dokumentarfilm Tout commence ! von Frédéric Choffat: sein Interesse am Umweltschutz, sein aktives Engagement für die Nachhaltigkeit, seine grenzenlose Motivation. Für den Film und aus persönlichem Interesse las Quentin alles, was ihm in die Hände fiel: Berichte, Bücher, wissenschaftliche Zeitschriften und Zeitungsartikel. Schon bald verspürte er ein dringendes Handlungsbedürfnis und beschloss, sein Wissen auf offiziellem Weg zu erweitern. Nach Absolvierung der Passerelle an der Berufsfachschule schrieb er sich für den Studiengang Energie und Umwelttechnik der Hochschule für Ingenieurwissenschaften in Sitten ein. Dort beteiligt er sich aktiv an den nachhaltigen Aktivitäten der Schule und engagiert sich mit Leib und Seele für den Umweltschutz – bevor es zu spät ist. 

Auf die Frage „Eher Che Guevara oder Ghandi, wenn es darum geht, zu handeln?“ antwortet er: „Ein bisschen von beiden, je nach Situation.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt er: „Was zählt, ist das Ergebnis. Manchmal ist es besser, Pazifist zu sein, doch gelegentlich muss man sich auch trauen, anzuecken.“ Quentin Chevalley gehört nicht zu denjenigen, die sich aufregen. Er sagt seine Meinung ruhig und ohne dass sich seine Emotionen auf seinem Gesicht widerspiegeln. Es ist nicht immer einfach zu erkennen, was er denkt.

Dabei hätte er viele Gründe, sich über die Menschheit und ihren Konsumismus zu ärgern. Doch Quentin schaut lieber nach vorne, denn er hat keine Angst vor der Zukunft. Wie viele von uns hat er die Aktionen der jungen Greta Thunberg verfolgt und sagt über sie: „Ein 15-jähriges Mädchen, das sich so stark engagiert – da gibt es keine Ausrede mehr für Untätigkeit“. Auch er engagiert sich, genauso wie seine Familie, mit der er sich oft und gerne austauscht. Mit seinem Vater hat er das Haus der Familie umgebaut, um es autonomer zu machen. Und mit den Einwohnern von Salvan hat er einen Verein gegründet, um die Energiewende im Tal zu fördern. Trotz dieser Unterstützung verlangt sein Einsatz für die Umwelt auch Anstrengungen und Opfer. Wie viele andere Aktivisten steht Quentin den Klimagegnern, die immer noch sehr zahlreich sind, oft alleine gegenüber.  

Auch wenn er seine Ziele nur selten erreicht, verzagt er nicht. Denn was zählt, ist zu handeln. Zudem trifft er immer wieder inspirierende Persönlichkeiten. „Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht überzeugt wäre von dem, was ich tue!“ Doch nicht nur Menschen inspirieren ihn, auch Bücher, wie diejenigen des Sozialisten und Anarchisten Murray Bookchin, des ökologischen Vordenkers Ernest Callenbach, des Begründers der Zusammenbruchswissenschaft Pablo Servigne oder des Förderers der Low-Tech-Bewegung Philippe Bihouix. 

Chevalley, der sein zweites Jahr an der HEI beginnt, wünschte sich einen kritischeren Unterricht, der sich noch stärker mit Themen wie Energieeffizienz sowie mit Klima- und Sozialfragen befasst. Zusammen mit Studienkollegen hat er ein U-Change-Projekt eingereicht, das akzeptiert wurde. So werden ab dem kommenden Semester auf dem Campus Energypolis Fresken zum Thema Klimaschutz aufgehängt, die für ein besseres Verständnis der damit verbundenen Probleme sorgen sollen. Wir sind der Meinung, dass wir von Quentin Chevalley nach seinem Studium noch viel hören werden. Es sei denn, er habe sich auf ein grosses, abgelegenes Grundstück zurückgezogen, auf dem er autonom leben will. Wir werden sehen…

Sophie Michaud / Verein Utopia