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Road to Study Social Work ist ein Programm für geflüchtete Personen, die im Kanton Wallis wohnen und ein Studium der Sozialen Arbeit an der HES-SO Valais-Wallis aufnehmen möchten. Es handelt sich um ein einjähriges Pilotprojekt, das im September 2021 von der Hochschule für Soziale Arbeit (HETS) lanciert wurde. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Dienststelle für Sozialwesen (DSW) durchgeführt und hat zum Ziel, geflüchtete Personen auf die Aufnahme eines Bachelorstudiums vorzubereiten. 

Dieses Programm unter der Leitung von Stefanie Kurt, Assistenzprofessorin, Amel Mahfoudh, wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Lucie Kniel-Fux, Leiterin des Studiengangs Soziale Arbeit, bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, an der Hochschule für Soziale Arbeit zwei Studiensemester als Gasthörer/innen zu belegen. „Es handelt sich um ein Vorbereitungsjahr, in dessen Rahmen die Studierenden die Module absolvieren können, für die sie sich interessieren. Gleichzeitig erhalten sie dank der Praktika auch einen Einblick in das Berufsleben“, erklärt die Projektleiterin Stefanie Kurt.

Während dieser zwei Semester erwerben die Teilnehmenden erste theoretische Grundlagen und können auch Prüfungen ablegen, für die sie virtuelle ECTS-Credits erhalten. Diese Credits können angerechnet werden, falls sie sich später für ein Bachelorstudium entscheiden. Damit die Studierenden ihre Sprachkenntnisse verbessern können, werden auch Sprachkurse angeboten. „Dank Kurzpraktika können die Teilnehmenden in den Beruf der Sozialen Arbeit hineinschnuppern“, so Amel Mahfoudh. „Wir helfen ihnen anschliessend bei der Suche nach längeren Praktika, die für die Zulassung zu einem Studium der Sozialen Arbeit Voraussetzung sind.“

Zugang zur höheren Bildung für Geflüchtete

Viele Menschen, die in der Schweiz Asyl beantragen, sind hochqualifiziert und verfügen über ein breites Kompetenzspektrum. Sie stossen jedoch häufig auf Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Diplomen, die sie in ihrem Herkunftsland erworben haben. Stefanie Kurt erklärt: „Gemäss Verfassung haben in der Schweiz alle minderjährigen Personen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus Anrecht auf eine obligatorische Schulbildung. Der Zugang zu Hochschulbildungen erweist sich für geflüchtete Personen jedoch als komplexer, insbesondere aus finanziellen Gründen.“

Obwohl geflüchtete Personen aus rechtlicher Sicht die Möglichkeit haben, eine postobligatorische Ausbildung zu absolvieren, erweist sich die Zulassung zu Hochschulen in der Realität als schwierig: Neben Rassismus und Vorurteilen aufgrund des rechtlichen Aufenthaltstitels stellen die Nichtanerkennung der erworbenen Kompetenzen und Diplome, Sprachanforderungen oder fehlende finanzielle Mittel die grössten Hindernisse dar.

Der Sonderfall der Fachhochschulen

An Fachhochschulen stellt sich noch ein anderes Problem. Im Gegensatz zu Universitäten wird an den Fachhochschulen für die Zulassung praktische Erfahrung vorausgesetzt. Dies erschwert beispielsweise die Zugangsbedingungen für Asylsuchende, deren Aufenthaltsstatus noch ungeklärt ist, da sich diese noch im Asylverfahren befinden.

Das Pilotprojekt Road to Study Social Work hilft bei der Überwindung dieser Schwierigkeiten und bietet Unterstützung bei der Zulassung zu einem Hochschulstudium. Das Vorbereitungsjahr vermittelt den interessierten Personen nicht nur einen Einblick in die Ausbildung und den Bereich der Sozialen Arbeit, sondern begleitet sie während des gesamten Zulassungsprozesses. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kanton soll das Programm geflüchteten Personen die Möglichkeit bieten, einen anerkannten Abschluss zu erwerben, was in der Schweiz eine unabdingbare Voraussetzung für eine stabile wirtschaftliche Situation ist. „Inklusion ist ein grundlegendes Thema in unserem Studiengang. Daher ist es nur natürlich, dass wir Menschen, die aus ihrem Land fliehen mussten, auch aktiv beim Einstieg in einen tertiären Bildungsgang unterstützen", unterstreicht Lucie Kniel-Fux.

„Als Bildungseinrichtung unterstützt die HES-SO Valais-Wallis den Kanton bei der Integration von geflüchteten Personen im Wallis.“ Stefanie Kurt, Projektleiterin Road to Study Social Work und Assistenzprofessorin an der Hochschule für Soziale Arbeit  

Perspektiven-Studium

Das Programm Road to Study Work ist Teil des Projekts INVOST – Integrationsvorstudium an Fachhochschulen, an dem auch die Fachhochschule Westschweiz HES-SO beteiligt ist. Getragen wird dieses Programm von Perspektiven-Studium, einer Organisation, die 2016 vom Verband der Schweizer Studierendenschaften gegründet wurde und sich für mehr Chancengerechtigkeit beim Hochschulzugang einsetzt. Ziel ist, allen Menschen - unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus - die Möglichkeit zu bieten, sich weiterzubilden und ihr Potential in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen.   

Die HES-SO Valais-Wallis, die eine Finanzierung für dieses Projekt erhalten hat, ist eine der Bildungseinrichtungen, die sich für eine grössere Chancengleichheit beim Zugang zur Hochschulbildung einsetzen. 

https://www.perspektiven-studium.ch